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Eis heißt Gelato

Die große Stärke der italienischen Küche kann man an der Geschichte des Speiseeises verdeutlichen. Erfunden haben es wohl wieder einmal die Chinesen, in Italien ist aber aus dem Wissen ein Handwerk geworden und danach die Köstlichkeit, die unsere Sommer erobert. Die Seefahrernationen, die auf dem italienischen Gebiet geherrscht haben, haben Wissen ausgetauscht, aufgebaut, Geschäftsideen entwickelt und so verwundert es nicht, dass es ein Sizilianer war, der Mitte des 17. Jahrhunderts in Paris die erste bekannte Eisdiele auf dem europäischen Kontinent eröffnete.

Bei den Griechen und Römern waren Kühlketten noch schnelle Transportwege für Gletschereis, das als kostbare Köstlichkeit gesüßt und aromatisiert wurde. Viele Jahrhunderte lang war Eis ein herrschaftliches Luxusgut, erst als man künstliche Kühlungsverfahren erfand und optimierte, war es möglich, größere Mengen herzustellen.

Wichtige Erfindungen wurden auf diesem Gebiet in Amerika gemacht, nach Deutschland kam Eis, wie wir es heute kennen, in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit den Arbeitern aus dem Süden. Italienische Migranten hatten da schon längst Eiswaffeln in Großbritannien etabliert, erste Eisdielen soll es in Deutschland aber schon in den 1920er Jahren gegeben haben.

In Italien ist das Verfahren der Speiseeisherstellung weltmeisterlich optimiert und als Dienstleistung nach Europa gebracht worden. Es gibt dort regelrechte Eismacherdynastien, Familienrezepte, und zwar ungefähr so viele, wie es Eisdielen gibt. Die Kügelchen, die die Eisdielenbesitzer in Deutschland in Hörnchen und Becher legen, sind für Italien untypisch. Hier wird die cremige Köstlichkeit eher gespachtelt, Fruchtsorbets (in Sizilien Granita, wohin die Araber den so wichtigen Zucker für die Herstellung brachten), Milcheis, durch permanentes Rühren brechende Eiskristalle, Eiscafé, Malaga.

Gelato

Gelato @iStockphoto/Lia Minou

Die Vielfalt kennt keine Grenzen. Ein Sommer ohne Eis ist wie einer ohne Wasser, ohne Sonne und wenn in der ganzen Angelegenheit eine Kleinigkeit bedauerlich ist, dass es heute nicht mehr so viele mobile Eismänner gibt wie noch vor wenigen Jahren.

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